Biodiversitäts- und Evolutionsforschung heute

Vogelsammlung Am Museum für Naturkunde wird Biodiversitäts- und Evolutionsforschung mit zwei verschiedenen Ansätzen betrieben. In taxonomisch-systematisch ausgerichteten Forschungsprojekten beschreiben die Biosystematiker – gleichsam die „Vermessungsingenieure der Natur“ – neue Arten (Taxonomie), ihre Verwandtschaftsverhältnisse (Systematik), ihre geografische Verbreitung und ihre Ökologie. Sie schildern die Biodiversität von heute und früher. Biosystematisch-evolutionsbiologische Projekte befassen sich hingegen mit der Entwicklung der verschiedenen Tier- und Pflanzengruppen und ergründen die daran beteiligten Mechanismen, untersuchen also direkt das Phänomen der Evolution.

Diese Forschung erfolgt mit innovativen Methoden unter Nutzung der Genetik, Kladistik und Bioinformatik sowie unter Anwendung klassisch-traditioneller (weil bewährter) biosystematischer Ansätze. Längst arbeiten Biodiversitäts- und Evolutionsforscher nicht mehr nur als „Beinchen- und Borstenzähler“, sondern auch im molekulargenetischen Labor und mit aufwändigen Computerprogrammen, die große Datenmengen verarbeiten.

Doch eines ändert sich trotz aller Entwicklungen und Revolutionen auf diesem Forschungsfeld nicht: die Erfassung der Biodiversität bleibt nach wie vor eines der zentralen und wichtigsten Themen der Forschung an Naturkundemuseen. Nur Tier- und Pflanzenarten, die man kennt, die also bereits beschrieben wurden, kann man auch schützen (oder bekämpfen). Es verwundert daher nicht, dass die Beschreibung neuer Arten unverändert zu den wichtigsten Aufgaben des Museums für Naturkunde gehört.