Forschungsbereich

Sammlungsentwicklung

Das Museum für Naturkunde Berlin besitzt umfangreiche Sammlungen von aus der Natur entnommenen Objekten (Tiere, Fossilien, Mineralien, Gesteine). Für dieses naturkundliche Forschungsmuseum sind diese Objekte wichtigster und zentraler Gegenstand der eigenen naturwissenschaftlichen Forschung. Die Sammlungsobjekte werden aber auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt zu Forschungszwecken benutzt. Die Sammlungen des Museums für Naturkunde Berlin sind deshalb auch Bestandteil der wissenschaftlichen Dienstleistungen, die das Museum erbringt, und Teil einer internationalen naturwissenschaftlichen Sammlungsressource.

Vom Wert des Sammlungsgegenstandes

Die Sammlungsgegenstände zeichnet besonders aus, dass sie langfristig als überprüfbarer Bezugspunkt und als Grundlage für verschiedenste, sich entwickelnde und stetig verändernde wissenschaftliche Fragestellungen dienen können und dienen müssen.

Als Belege früherer wissenschaftlicher Arbeiten nehmen die Sammlungsobjekte eine ganz zentrale Aufgabe wahr. Sie sind im Prozess des naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinns wertvollste Koordinaten. Mit jeder neuen Erkenntnis, mit jedem neuen Untersuchungsergebnis, das wir über sie gewinnen, gewinnen die Sammlungsobjekte stetig an Wert. Zu diesen Erkenntnissen gehören die Angaben zum Fundort. Diese liefern wesentliche Informationen darüber, wo dieses Tier, diese Pflanze, dieses Mineral oder dieses Gestein zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgekommen ist, sei es in geschichtlicher Zeit, sei es vor Millionen Jahren. Genauso wichtig sind die Struktureigenschaften des Sammlungsobjekts, deren Beschreibung anhand des Objekts dauerhaft überprüfbar bleiben und damit die Bestätigung wissenschaftlicher Hypothesen ermöglichen muss.

Die wissenschaftliche Benennung und Eingruppierung der Objekte und Sammlungen nach systematischen Regeln ist die unverzichtbare Grundlage verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen. Dieses auf Langfristigkeit angelegte Vorgehen der Benennung und Eingruppierung ist zugleich ein unschätzbares kulturelles Gut. In ihm spiegeln sich die Wissenschaftsgeschichte, wissenschaftliche und weltanschauliche Überzeugungen, der Zeitgeist und gesellschaftliche Prozesse.

Vom Management und von den Aufgaben des Forschungsbereichs Sammlungsentwicklung

Das Management des Forschungswerkzeugs ‚naturkundliche Sammlung’ hat folglich eine klare Zielrichtung: Es gilt, die dauerhafte optimale und umfassende Sicherung und Entwicklung der Sammlung hinsichtlich ihrer Unversehrtheit und Nutzbarkeit zu gewährleisten.

Dies umfasst zwei Kategorien von Maßnahmen:

  • technologische Maßnahmen, Maßnahmen zur Erhaltung und Präparation der Sammlungsstücke selbst, Maßnahmen zur optimalen Lagerung und bauliche Maßnahmen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Sammlungsobjekte selbst und die zugehörige Dokumentation zu erhalten.
  • Maßnahmen und Strategien, die auf eine Steigerung des Erkenntnisgewinns abzielen. Dies kann durch eine Verbesserung der Angaben zum Objekt oder durch eine verbesserte Verfügbarkeit des Objekts für neue Fragestellungen erfolgen.

Der Forschungsbereich Sammlungsentwicklung am Museum für Naturkunde ist auf folgenden Grundlagen entstanden:

  • aus Erfahrungen mit einigen Projekten,
  • dem Vergleich mit sich entwickelnden internationalen Standards für die Behandlung von Sammlungen,
  • der Erkenntnis, dass ein hoher Bedarf an Forschung besteht, sowohl über die Sammlungsobjekte selbst wie auch über ihre Handhabung und bestmögliche Erschließung für zukünftige Forschungsfragen.

In diesem Forschungsbereich sind demzufolge Pilotprojekte und Studien in einem weiten Spektrum angesiedelt:

  • Projekte und Studien zu technisch-archivarischen Bedingungen der besten Erhaltung der oft vom Zerfall bedrohten Materialien und der veralteten oder unsicheren Dokumentation,
  • Projekte und Studien zur Optimierung einer modernen Logistik,
  • Projekte und Studien zur Frage, wie der Erkenntnisgewinn aus der wissenschaftlichen Nutzung der Sammlungsobjekte und die damit assoziierten Datensätze am besten informationstechnisch gesichert, archiviert und zur Verfügung gestellt werden können,
  • Projekte und Studien zu strategischen Fragen der zukünftigen Sammlungsentwicklung.

Zu den Forschungsfragen

Mineraliensammlung Pallas; Foto: Carola Radke, MfN

Die drei Kerngebiete der Forschung im Forschungsbereich Sammlungsentwicklung sind:

  1. Material- und Konservierungsforschung (-> Wie lassen sich Sammlungen am besten langfristig erhalten? Beispiel eines Projekts: KUR)
  2. Sammlungsobjekt, Dokumentation und Informationsgehalt (-> Wie lassen sich Sammlungen am effektivsten erschließen und nutzen? Beispiel eines Projekts: GBIF)
  3. Sammlungsobjekte im interdisziplinären Zusammenhang (Was ist ein „Sammlungsobjekt“? Welchen Beitrag leisten die Objekte, um wissenschaftshistorische Prozesse und wissenschaftliche Theorien zu verstehen? Welchen Beitrag leisten die Objekte in der Kunst- und Kulturgeschichte? Wie werden Sammlungen wahrgenommen?)


Den letzteren Fragestellungen („Sammlungsobjekte im interdisziplinären Zusammenhang“) widmet sich der Forschungsbereich in enger Verknüpfung mit unserem Forschungsbereich Wissenschaftskommunikation und Wissensgeschichte.

Projekte des Forschungsbereichs

  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF) (Dr. Christoph Häuser, Prof. Dr. Wolfgang Kiessling)
  • GBIF-Informationssystem Bodenzoologie (Dr. Birger Neuhaus, Dr. Jason Dunlop, Dr. Jürgen Deckert)
  • Aufbau und öffentliche Kommunikation eines wissenschafts-basierten Sammlungs-Managements für naturkundliche Nasssammlungen (KUR) (Dr. Birger Neuhaus)
  • SYNTHESYS (Dr. Carsten Lüter)
Stand: 14.05.2013