Familie Sarcophagidae - Fleischfliegen
Etwa 2750 Arten weltweit (in Deutschland 130). Ihre Zahl ist in warmen Gebieten am größten und nimmt in den höheren Breiten schnell ab. Echte arktische Elemente fehlen. Wenige taxonomisch unsichere Fossilien sind aus dem Tertiär bekannt. Die Gruppe ist wahrscheinlich monophyletisch und durch einige Autapomorphien gekennzeichnet. Eine mögliche Synapomorphie im Grundmuster der Sarcophagidae + ((Rhiniidae + Rhinophoridae) + Tachinidae)) ist die Ausbildung eines verschmolzenen Dorsalskleritfortsatzes am Distiphallus im männlichen Postabdomen. Die Imagines sind kleine bis sehr große Fliegen (2,5-22,0 mm). Postscutellum nicht vorgewölbt. Grundfarbe schwarz, seltener gelb; häufig mit grauer Bereifung. Die meist relativ großen schwarz und grau gezeichneten Arten der Gattung Sarcophaga haben Längsstreifung auf dem Thorax und ein schachbrettartig gemustertes Abdomen. Die Miltogrammatinae sind kleiner, manchmal silberglänzend oder mit gefleckten Flügeln. Besonders hübsch silbern und schwarz gezeichnet ist Mesomelena mesomelaena (Loew), eine in Deutschland seltene südpaläarktische Art, die nur auf xerothermen Sanddünen vorkommt. Die Sarcophagidae sitzen häufig auf Steinen oder in der Vegetation; einige Arten besuchen Blüten oder nehmen Honigtau auf. Viele Arten, besonders aus der Gattung Sarcophaga, sind typische Gipfelflieger. Die Kopulation erfolgt meist, indem sich das Männchen auf ein vorbeifliegendes Weibchen stürzt und dieses ergreift. Die Weibchen sind ovolarvipar. Einige Arten sind im Larvenstadium saprophag; ernähren sich aber nur ausnahmsweise von pflanzlichen Materialien oder Dung; viel häufiger von kleineren toten Tieren (Schnecken, Insekten, kleine Wirbeltiere). Es sind sogar Larven bekannt, die in Kannenpflanzen leben und die darin gefangenen Insekten fressen. Ähnlich wie bei den Calliphoridae sind zahlreiche nekrophage Formen direkt zur Parasitierung von lebenden Schnecken oder Insekten bzw. zur Erzeugung von Myiasis bei Wirbeltieren einschließlich des Menschen übergegangen. Berüchtigt sind in diesem Zusammenhang die Arten von Wohlfahrtia, deren Larven erhebliche Gewebszerstörungen bei Menschen und Tieren verursachen können. Neben einigen echten Insektenparasiten (vor allem bei Orthoptera und Lepidoptera) leben viele Arten der Miltogrammatinae als Kleptoparasiten bei Hymenoptera. Oftmals nutzen sie aber nicht nur die Nahrungsreserven, sondern töten die Hymenopterenlarve als ihren Nahrungskonkurrenten. Die madenförmigen erwachsenen Larven sind amphipneustisch. Die Hinterstigmen sind im Grundmuster in einer Grube angeordnet. Nur bei relativ wenigen Arten befinden sich die Hinterstigmen leicht posteriodorsal inseriert auf einem hemisphärisch geformten Hinterende (Amobia, Macronychia, Oebalia, Phrosinella, Senotainia). Stigmennarbe immer in ventraler Position, oft undeutlich. Am letzten Abdominalsegment sind fast immer Papillen vorhanden (nicht bei Amobia und Senotainia). Cephalopharyngealskelette mit drei voneinander getrennten Hauptskelettelementen; häufig mit Parastomalspangen. Puparien ohne Stigmenhörnchen.
[Aktualisierter Text aus ZIEGLER, J. (2003): Ordnung Diptera, Zweiflügler (Fliegen und Mücken). In: DATHE, H. H. (Hrsg.): Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Begründet von Alfred Kaestner. 2. Auflage. Band I: Wirbellose Tiere, 5. Teil: Insecta, 756-860; Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg, Berlin.]

