"Nur was wir kennen, können wir schätzen und schützen"

22. Januar 2010

Das Konsortium Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen (DNFS) lädt zum bundesweiten Aktionstag Biodiversität am 27.2.2010 anlässlich des Internationalen Jahres der biologischen Vielfalt

Am Samstag, den 27.2.2010, veranstalten die Einrichtungen der DNFS deutschlandweit einen Aktionstag Biodiversität. Dieser soll die vielfältigen Aspekte der Arbeit Naturkundlicher Forschungssammlungen im Zusammenhang mit der Erforschung und dem Erhalt der biologischen Vielfalt deutlich machen. Die einzelnen Häuser wollen ihre wissenschaftlichen Aktivitäten mit Vorträgen, Infoständen, Mitmachaktionen oder Führungen hinter die Kulissen transparent machen und Interesse am Thema Biodiversität wecken. An diesem Aktionstag beteiligt sind das Museum für Naturkunde Berlin, das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg, Frankfurt a.M., das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart, das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe, das Zoologische Museum Alexander König Bonn, die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (Museum Mensch und Natur München, Botanischer Garten München-Nymphenburg), das Zoologische Museum Hamburg sowie das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz.

Für die Redaktionen:
Bedeutung Naturkundlicher Forschungssammlungen für den Schutz der biologischen Vielfalt

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2010 zum „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“ erklärt. Damit soll die Bedeutung der biologischen Vielfalt sowie die Folgen ihres Verlustes stärker in das politische und öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Zudem soll das Jahr genutzt werden, um zu bilanzieren, ob das weltweite Artensterben in den vergangenen Jahren aufgehalten oder zumindest verlangsamt werden konnte, wie das seit der ersten weltweiten Artenschutzkonferenz in Rio (1992) gefordert und angestrebt wird.
Naturkundliche Forschungsmuseen wie die im Konsortium „Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen“ (DNFS) zusammengeschlossenen Einrichtungen spielen bei einer solchen
Bilanzierung und beim Schutz der biologischen Vielfalt eine entscheidende Rolle. Denn auch über 250 Jahre nachdem der schwedische Biologe Carl von Linné das große Projekt der globalen Bestandsaufnahme der Pflanzen- und Tierarten der Erde begonnnen hat, ist die grundlegende Frage danach, mit wie vielen und welchen Mitgeschöpfen wir unseren blauen Planeten teilen, noch nicht einmal annähernd gelöst.
Zwar sind inzwischen etwa zwei Millionen verschiedene Arten von Lebewesen beschrieben, aber die tatsächliche Artenzahl ist selbst in ihrer Größenordnung weiterhin unbekannt. Untersuchungen in den Baumkronen der tropischen Regenwälder, in Korallenriffen oder in der Tiefsee, wo in den letzten Jahren eine verblüffenden Anzahl vorher unbekannter Arten entdeckt wurde, haben die Schätzungen auf 3,5 bis über 100 Millionen Arten hochschnellen lassen, als wahrscheinlich gelten etwa 10-20 Millionen. Das heißt, dass bislang wahrscheinlich nur etwa 10 bis 20 Prozent aller Arten wissenschaftlich beschrieben und benannt werden konnte. Eine wissenschaftliche Beschreibung ist aber Grundvoraussetzung, um überhaupt feststellen zu können, dass eine Art durch Umweltzerstörung, Klimaänderungen oder andere Faktoren in ihrem Bestand zurückgeht oder vom Aussterben bedroht ist. Der nur scheinbar banal anmutende Satz „Nur was wir kennen, können wir schätzen und schützen“ bringt dies auf den Punkt. Hier kommt den Naturkundemuseen eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu. Ihre biologischen Sammlungen – allein in Deutschland über 100 Millionen Objekte – sind Archive des Lebens und die Grundlage aller Biodiversitätsforschung. Die Beschreibung unbekannter Arten und ihre Einordnung in ein System, das die Evolution der Lebewesen widerspiegelt, gehören zu den zentralen Forschungsaufgaben der Museen und geben ihnen damit eine Alleinstellung in der Wissenschaftslandschaft. Von besonderer Bedeutung sind die umfangreichen historisch gewachsenen Sammlungen, denn nur der direkte Vergleich liefert den Beleg dafür, dass eine Tier- oder Pflanzenart tatsächlich „neu“ ist und worin sie sich von anderen unterscheidet.
Naturkundemuseen sind darüber hinaus Kompetenzzentren der Biosystematik, einer wissenschaftlichen Grundlagendisziplin, die an deutschen Universitäten sowohl in Forschung als auch Lehre kaum noch eine Rolle spielt. Den Naturkundlichen Forschungssammlungen kommt deshalb besondere Bedeutung und Verantwortung zu, die sich auch daran festmachen lässt, dass Wissenschaftler aus diesen Einrichtungen eine großen Teil der systematisch orientierten Lehrveranstaltungen an den Universitäten anbieten.
Naturkundliche Forschungssammlungen sind aber auch Orte aktiver und moderner wissenschaftlicher Forschung. Zunehmend wird dabei auf Methoden der molekularen Genetik, elaborierte statistische Verfahren sowie Ergebnisse der Ultrastrukturforschung und modernste 3D-Rekonstruktionen zurückgegriffen. Zugleich haben schnelle Datenbanksysteme und Vernetzung gänzlich neue Möglichkeiten des Informationsaustauschs und der gemeinsamen Ressourcennutzung eröffnet. Viele Museen haben deshalb in den letzten Jahren massiv in entsprechende Infrastruktur investiert; der Prozess einer globalen virtuellen Gesamtsammlung nimmt bereits konkrete Gestalt an.
Neben diesem im Bereich der Wissenschaft angesiedelten Aufgabenspektrum, tragen Naturkundliche Forschungseinrichtungen an zwei weiteren entscheidenden Stellen zum Schutz der biologischen Vielfalt bei. Zum einen sind Fachleute naturkundlicher Museen weltweit an unzähligen Projekten im Bereich des angewandten Naturschutzes beteiligt. Mit ihrer wissenschaftlichen Expertise tragen sie unter anderem dazu bei, Areale für Naturschutzgebiete sinnvoll auszuwählen, Schutzkonzepte zu entwickeln und den illegalen Handel mit bedrohten Arten zu bekämpfen.
Zum anderen besteht eine der Hauptaufgaben naturkundlicher Museen darin, das Thema biologische Vielfalt und deren Gefährdung breiten Bevölkerungsschichten zu vermitteln und sie dafür zu sensibilisieren. Hierfür bieten Naturkundemuseen nicht zuletzt deshalb eine ideale Plattform, weil sie mit ihren Ausstellungen und ihrer aktiven Museumspädagogik trotz der Möglichkeiten, die Bücher, Fernsehen, Internet und andere Medien bieten, auch heute zu den beliebtesten und meistbesuchten Kultureineinrichtungen überhaupt zählen.
Weitere Informationen unter: www.dnfs.de; www.biodiversitaet2010.de


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Stand: 21.12.2010