Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin zieht zum Ende seiner Amtszeit Bilanz

11. November 2010

Der Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, Reinhold Leinfelder, wird seinen am 31. Dezember 2010 endenden Fünf-Jahres-Vertrag am Museum nicht verlängern, wie er heute dem Berliner Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung Jürgen Zöllner mitteilte. Leinfelder sieht das Museum für die Zukunft hervorragend aufgestellt und den Zeitpunkt daher als gut geeignet, die Stafette an einen Nachfolger weiter zu geben.


Im Rückblick auf seine Amtsperiode (seit 1. Januar 2006) und anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Museums für Naturkunde freut sich Reinhold Leinfelder über das in seiner fünfjährigen Amtszeit erreichte, darunter:
• Die Erneuerung eines großen Teils der Dauerausstellungen sowie die Einrichtung regelmäßiger, spannender Sonderausstellungen;
• Die nachhaltige Verdoppelung der Besucherzahlen auf 500 000 Besucher pro Jahr;
• Die gute Einbindung des Museums in die Stadtentwicklung;
• Den raschen Aufbau und die umfassende Beteiligung an regionalen, bundesweiten, europäischen
und globalen wissenschaftlichen Netzwerken und Forschungsprojekten;
• Die methodische Modernisierung der Forschung, deren Erweiterung um angewandte Aspekte sowie die kräftige Steigerung des Drittmittelaufkommens;
• Die organisatorische Restrukturierung des Museums zur Optimierung der einzelnen Aktivitätsbereiche;
• Die Finanzbeschaffung und den Wiederaufbau des Ostflügels sowie dessen Öffnung für das Publikum;
• Die konkreten Zusagen zur weiteren Renovierung des Museums (Bauphase 2: ca. 30 Millionen Euro, Bauphase 3: ca. 42 Millionen Euro)
• Den Eintritt des Museums in die Leibniz-Gemeinschaft zum 1. Januar 2009 und damit die weitaus bessere Planungssicherheit sowie leistungs- und bedarfsbasierte Ausbaufähigkeit des laufenden Etats;
• Die Steigerung des laufenden Kernetats des Museums um über 50% zwischen 2006 und 2011;
• Die hohe öffentliche, wissenschaftliche und politische nationale und internationale Wahrnehmung in allen Tätigkeitsbereichen des Museums.
Reinhold Leinfelder dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums für ihren enormen Einsatz: „Ohne Sie wäre all dies nicht möglich gewesen – Sie sind und bleiben die tragenden Pfeiler des Museums“.
Er sieht das Haus für die Zukunft ausgezeichnet aufgestellt und schlug dem Wissenschaftlichen Beirat des Museums folgendes Leitbild für die Zukunft vor:
„Die Sammlungen des Museums sind wesentlicher Teil des ‚Gedächtnis der Erde und des Lebens’. Sie sind damit als Forschungsinfrastruktur anzusehen und sollten durch entsprechende Vernetzungen weiter mit anderen Sammlungen weltweit verknüpft werden“
„Es gilt, dieses ‚Gedächtnis’ der Sammlungen durch digitale wissenschaftliche Erschließung sowie Forschung noch besser zu einem aktiven Gehirn zusammenzufügen und damit zukunftsrelevante Forschung im Bereich der Evolutions-, Biodiversitäts- und Erdsystemforschung zu betreiben. Hierbei sollte insbesondere auch auf den kulturellen Kontext, die Zeitdimensionen und die Nachhaltigkeit fokussiert werden.“
„Aus sammlungsbasierter Forschung sollten direkt Ausstellungen und weitere öffentliche Aktivitäten als Publikationsformat generiert werden.“
„Diese Wertschöpfungskette sollte nicht nur auf geeignete Vermittlung von (utilitaristischem) Verfügungswissen, sondern v.a. auf die Vermittlung von Orientierungswissen zielen. Orientierungswissen schafft kritisches Vertrauen in den Wissenschaftsprozess sowie Freude am Wissen, insbesondere durch umfassende Partizipation.“ „Gemeinsam mit anderen Museumssparten sowie anderen Institutionen sollte das Museum für Naturkunde dazu beitragen, eine Wissensgesellschaft zu implementieren, die wissensbasiertes, am Nachhaltigkeitsgedanken orientiertes Handeln ermöglicht.“
Mit Blick in die nächste Zukunft betont Leinfelder: „Der ‚Relaunch’ des Museums ist gelungen. Es macht jetzt Sinn, die Stafette weiter zu geben. Ich selbst freue mich wieder auf eigene Forschung und Lehre. Beides war in den letzten Jahren nicht möglich. Auf diesen Feldern sowie durch neuartige Projekte zur Wissensvermittlung und Forschungsteilhabe möchte ich meinen persönlichen Beitrag zur Verbesserung einer Wissensgesellschaft auch weiter erbringen. Hier stehe ich auch dem Museum gerne weiterhin für enge Kooperation zur Verfügung“.


Zur Person:
Reinhold Leinfelder, geb. 1957, studierte an der LMU in München Geologie und Paläontologie, er promovierte und habilitierte sich an der Universität Mainz, war Universitätsprofessor an der Universität Stuttgart und der LMU in München. Dort war er von 2003-2005 auch Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Seit 2006 ist er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin. Von 2007 bis Sommer 2010 war er Gründungsvorsitzender des Konsortiums der Deutschen Naturwissenschaftlichen Forschungssammlungen (DNFS e.V.). Weiterhin ist u.a. Vizepräsident des Deutschen Museumsbundes sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete ihn bei Amtsantritt in Berlin als „Humboldts Notarzt“, der deutsche Kulturrat in seiner aktuellen Ausgabe von „Politik und Kultur“ als „Kultur-Mensch“, so dass das Museum für Naturkunde nun „Natur und Kultur nicht als Gegensatzpaare“ denkt, sondern als „Einheit, deren einzelne Bestandteile sich auf wunderbare Weise komplettieren“. Diesem ganzheitlichen Ansatz will sich Leinfelder bei seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie in sonstigen institutionellen Kooperationen weiterhin widmen.

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Stand: 11.04.2011