Mechanische Tierwelt
11. Juli 2011
Für alle Kinder, Kind-Gebliebene, Nostalgiker, Retro-Fans und Spielzeugliebhaber zeigt das Museum für Naturkunde Berlin eine Tierausstellung der besonderen Art. Vom 12.7. – 4.9.2011 erobern bunte Geschöpfe aus bedrucktem Metall, deren Artenvielfalt ebenso erstaunlich ist wie ihr Reichtum an Formen und Farben, einen Sonderausstellungsraum. Die Berliner Künstler Sebastian Köpcke und Volker Weinhold haben historische Blechtiere in ihrem ‚natürlichen Umfeld’ beobachtet und in inszenierten Fotografien zum Leben erweckt. So entstand die „Mechanische Tierwelt“ – ein farbenfrohes, phantasievolles Universum, in dem es viel zu entdecken gibt. Die originalen Blechtiere (1900 – 1970) und Fotos werden zusammen mit Kurzfilmen, die die charakteristischen Bewegungen veranschaulichen, in der Ausstellung präsentiert.
Die Artenvielfalt der Mechanischen Tierwelt schien einstmals unerschöpflich, tatsächlich ist sie jedoch seit langem vom Aussterben bedroht. Ihr Überleben scheint heute allenfalls in der Obhut engagierter Museen und liebevoller Sammler gesichert, wie den Berliner Künstlern, Fotografen, Ausstellungsmachern und Grafikdesignern Sebastian Köpcke (1967) und Volker Weinhold (1962). Der unüberschaubare Artenreichtum und die gestalterische Vielfalt der historischen Blechtiere nahmen sie gefangen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten industriell gefertigten mechanischen Spielzeuge. Der neuartige Lithographiedruck erlaubte es, die zuvor von Hand lackierten Objekte zu deutlich günstigeren Preisen und in größeren Stückzahlen anzubieten. Es entstanden kleine technische Wunderwerke, die sich mit Hilfe eines Schlüssels von Kinderhand zum Leben erwecken ließen.
Mit der Erschließung und Kolonialisierung sämtlicher Erdteile konnten neu entdeckte, fremde Tierwelten immer wieder die Faszination einer breiten Öffentlichkeit erwecken. Museen und naturkundliche Sammlungen sahen schon damals ihre Aufgabe darin, das neu gewonnene Wissen fundiert und anschaulich zu vermitteln. Zoologische Gärten standen zudem im Wettbewerb, sich mit einem möglichst exotischen Tierbestand gegenseitig zu übertreffen.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich auch die Spielzeughersteller darum bemühten, in den Kinderzimmern eine bunte Tierwelt aufleben zu lassen. In den Blechtieren fanden Neugier, Spieltrieb und Entdeckerfreude zueinander und paarten sich im besten Fall mit Erfindungsreichtum und solider Handwerkskunst. Deutschland war eine Hochburg der Blechspielwaren-Industrie. Von hier aus wurde in alle Welt geliefert. Nach den 1950er und 1960er Jahren waren die besten Zeiten vorüber. Dieser letzten Blüte folgte der rasche Niedergang des gesamten Industriezweiges. Begegnet man heute einem Blechtier unserer Tage, stammt es zumeist aus fernöstlicher Produktion. Seine historischen Artverwandten sind längst eine bedrohte Spezies, deren überleben allein in der Obhut liebevoller Sammler gesichert ist.
Mechanische Tierwelt - Das Buch
Gemeinsam mit dem Naturmuseum St. Gallen haben die Autoren ein reich bebildertes Buch publiziert, das im Museumsshop erhältlich ist. ISBN 978-3-00-034781-8
Wenn Sie Fotos für Print- oder Onlinepublikationen benötigen, kontaktieren Sie mich bitte, um einen Presse Log In zu erhalten: Dr. Gesine Steiner, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de
