Schutz einzigartiger Artengemeinschaften von Fröschen in Westafrika gefordert

19. Oktober 2011

Die weltweite Biodiversität zu erhalten hat oberste Priorität. Dazu ist es notwendig die kritischen Regionen für deren effektiven Erhalt zu identifizieren. Unter der Leitung von Johannes Penner und Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde untersuchte ein Team von Wissenschaftlern die Zusammensetzung von Froscharten in 120 afrikanischen Regionen. Sie konnten zeigen, dass sich Westafrika deutlich von Zentral-, Ost- und Südafrika durch eine einzigartige Artenzusammensetzung abgrenzen lässt. Deren Schutz muss oberste Priorität haben. Hierzu werden dringend eigene Naturschutzstrategien und Konzepte benötigt.

Die Suche nach Verbreitungsmustern von Pflanzen oder Tieren, die Biogeographie, sowie deren Ursachen sind für den Naturschutz von ausschlaggebender Wichtigkeit, denn Gebiete die einzigartig sind, sind besonders schützenswert. Für Afrika liegen einige Untersuchungen zu diesem Thema vor, offen blieben aber viele Fragen, zum Beispiel ob sich die Tierwelt in Zentral- und Westafrika unterscheidet und wenn ja, wo die geographische Grenze zwischen beiden Faunenregionen verläuft. Hier setzte die aktuelle Forschungsarbeit an. Da etwa ein Drittel aller Amphibien-Arten auf der Roten Liste als gefährdet geführt werden, d.h. vom Aussterben bedroht sind, sind diese für den Naturschutz von besonderer Bedeutung. Johannes Penner und Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde Berlin und ihre Kollegen untersuchten deshalb die Verbreitung von Fröschen und die lokale Zusammensetzung dieser Arten auf dem afrikanischen Kontinent. Sie stellten fest, dass die Frosch-Gemeinschaften in Westafrika weltweit einzigartig sind und dringend besseren Schutzes bedürfen.

Als zentrales Ergebnis konnten sie zeigen, dass alle westafrikanischen Gemeinschaften gemeinsam gruppieren, d.h. sich deutlich von denen in Zentral-, Ost- und Südafrika abgrenzen lassen. Daraus folgt, dass der Unterschied in der Zusammensetzung der Artengemeinschaften Westafrikas im Vergleich zu denen anderer afrikanischer Regionen größer ist, als der Unterschied zwischen den Artengemeinschaften einzelner Lebensräume innerhalb Westafrikas. Diese Erkenntnis ist bemerkenswert, da es sich um Gemeinschaften aus Savannen- und Waldgebieten handelt. Darüber hinaus konnten die Autoren die geographische Barriere zwischen West- und Zentralafrika sehr genau auf den Cross River an der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun eingrenzen. Innerhalb Westafrikas waren größere Flüsse und der Lebensraum Regenwald die wichtigsten Verbreitungsbarrieren für Amphibienarten.

Die Ursachen für die vorliegenden Ergebnisse sind noch nicht völlig geklärt. Sie könnten aber die Vermutungen anderer Autoren bestätigen, die angenommen haben, dass sich Flusssysteme in West- und Zentralafrika im Laufe der vergangenen Jahrtausende unterschiedlich verhalten haben. So wurde spekuliert, dass die Flusssysteme in Westafrika im Laufe der Zeit beständiger waren und damit effektivere Barrieren darstellen als die in Zentralafrika.

Insgesamt lässt sich aus den gewonnen Erkenntnissen ableiten, dass einige der untersuchten Gebieten in Westafrika einzigartig sind und deren Schutz oberste Priorität haben sollte. Hierzu werden dringend eigene Naturschutzstrategien und Konzepte benötigt.


PUBLIKATION: Penner, J, Wegmann, M., Hillers, A., Schmidt, M. & M.-O. Rödel (2011) A hotspot revisited – a biogeographical analysis of West African amphibians. Diversity and Distributions 17 (6): 1077-1088.



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Stand: 19.12.2011