
Transkription der Reisetagebücher Friedrich Sellows
Der aus Potsdam stammende Brasilienforscher Friedrich Sellow (1789-1831) gehört zu den Pionieren der wissenschaftlichen Erkundung des südamerikanischen Kontinents. In den ersten zwei Jahrzehnten nach Gründung des Berliner Zoologischen Museums trug er wesentlich zum Anwachsen seiner Sammlungen bei. Zwar forschte der gelernte Gärtner und spätere Universalist auch für andere Auftraggeber, beispielsweise für Joseph Banks in London oder das Museo Real in Rio de Janeiro, doch dank der Initiative Alexander von Humboldts, der früh Sellows Talente förderte, finanzierte der preußische Staat seine Expeditionen und sicherte somit den Großteil seiner Funde für Berlin. Instruiert von Martin Hinrich Lichtenstein erkundete Sellow zwischen 1814 und 1831 die südlichen Provinzen Brasiliens und deren Grenzregionen in Argentinien und Uruguay. Er trug Tausende von Sammlungsstücken – zoologische Objekte, Gesteinsproben, Herbarmaterial und ethnologische Funde – für die Berliner Wissenschaftseinrichtungen zusammen. Der überwiegende Teil seiner Sammelerträge sowie seines schriftlichen und zeichnerischen Nachlasses befindet sich im Museum für Naturkunde.
Mit Sellow trat ein Forschertypus der Humboldt-Zeit auf den Plan, den eine enzyklopädischen Sammel- und Aufzeichnungstätigkeit kennzeichnet. So war die geographische Einordnung seiner Sammlungsobjekte mit Hilfe astronomischer Ortsbestimmung charakteristisch für die mit dem Ende des 18. Jahrhunderts beginnende Vermessung der Welt. Eine Vielzahl von botanischen und zoologischen Erstbeschreibungen geht auf Objekte zurück, die Sellow nach Europa schickte. Die Wertschätzung seiner Arbeit durch Zeitgenossen lässt sich an den mit seinem Namen verbundenen Artbezeichnungen ablesen. Sein früher Tod in Brasilien durchkreuzte seine mehrfach in Briefen geäußerte Absicht, die Ergebnisse seiner Forschungen selbst wissenschaftlich zu bearbeiten und zu veröffentlichen.
Insgesamt 71 Tagebücher und 26 Exkursionsberichte aus den Jahren 1818 bis 1831 werden in der Historischen Arbeitsstelle aufbewahrt. Diese im Feld entstandenen und heute schwer entzifferbaren Aufzeichnungen enthalten wertvolle natur- und landeskundliche Informationen, ergänzt durch Zeichnungen, Lageskizzen und Messdaten. Außer über die exakten Fundumstände der in den einzelnen Kustodien des Naturkundemuseums gut erfassten Sammlungsobjekte geben Sellows Tagebücher Auskunft über Aspekte der Sozial- und Kulturgeschichte Südamerikas im frühen 19. Jahrhundert. Um die wissenschaftlichen Leistungen Sellows in ihrem ganzen Umfang zu erkennen, ist es unerlässlich, diese Aufzeichnungen zu entziffern und zu kommentieren. Seit Mitte November 2011 widmet sich das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Forschungsprojekt Transkription der Reisetagebücher Friedrich Sellows dieser Aufgabe. Ein Beispiel finden Sie hier.

